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Themendienst-Archiv Anlage

22. Juli 2016

Nach dem Brexit-Votum: Auf kontrollierte Offensive setzen

Nach dem knappen Sieg der Leave-Kampagne wird Großbritannien die EU verlassen. Dr. Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, erklärt die wirtschaftlichen Folgen – und warum er im zweiten Halbjahr US-Aktien favorisiert.

Herr Dr. Stephan, was sind die ökonomischen Folgen des Brexit-Referendums?

Stephan: Der Brexit ist kein Wachstumsprogramm, das scheint sicher. Dabei dürfte die britische Volkswirtschaft stärker betroffen sein als Europa oder der Rest der Welt. Das britische Pfund ist nach dem Votum zwischenzeitlich auf einen Kurs von unter 1,30 US-Dollar gefallen, das war der tiefste Stand seit 31 Jahren. Das Kreditrating Großbritanniens verschlechtert sich, Haushaltskürzungen und Steuererhöhungen wurden bereits angekündigt. Geplante Investitionen könnten jetzt auf Eis gelegt oder ganz gestrichen werden. Im Detail wird man die Folgen aber erst im Laufe der Austrittsverhandlungen beurteilen können.

Wie lange werden die Verhandlungen dauern?

Stephan: Nach Artikel 50 des EU-Vertrags von Lissabon kann zwei Jahre lang verhandelt werden, nachdem die Briten ihren Beschluss dem Europäischen Rat offiziell mitgeteilt haben. Die Verhandlungspartner können gemeinsam eine Verlängerung dieser Frist beschließen. Insgesamt könnte sich der Brexit über sieben bis zehn Jahre hinziehen. Das heißt, die Unternehmen haben viel Zeit, um sich auf die neue Normalität der EU-27 vorzubereiten. Auch deshalb halte ich wirtschaftliche Extremszenarien in Europa für übertrieben.

Wie stark ist Deutschland betroffen?

Stephan: Großbritannien ist ein wichtiger Handelspartner: 2015 exportierte Deutschland Waren im Wert von 89,3 Mrd. Euro in das Vereinigte Königreich, davon entfallen allein 29 Mrd. Euro auf die Automobilindustrie. Durch den Pfund-Einbruch werden deutsche Exportwaren für die Briten teurer. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass die deutschen Unternehmen den Brexit-Schock relativ gut verkraften können. Unterm Strich haben wir die Wachstumsprognose 2017 für Deutschland um 0,3 Prozentpunkte auf jetzt 1,3 Prozent herabgesetzt.

Wie sollten Anleger jetzt reagieren? Ist risk-off, also „raus aus dem Risiko“, die richtige Strategie?

Stephan: Das ist zweifelhaft, denn „raus aus dem Risiko“ bedeutet heutzutage immer öfter eine negative Rendite. Anfang Juli verzinsten weltweit Staatsanleihen im Volumen von 11,7 Billionen US-Dollar negativ, dazu zählen inzwischen auch zehnjährige Bundesanleihen. Für den langfristigen Vermögensaufbau ist das schlecht.

Was empfehlen Sie stattdessen?

Stephan: Ich empfehle eine Strategie der kontrollierten Offensive, natürlich unter Beachtung der persönlichen Risikobereitschaft. Das bedeutet vor allem: ein breit gestreutes Portfolio, Konzentration auf eher defensive Aktienanlagen und Dividendentitel und die Bereitschaft, über einen unruhigen Sommer mit vielen politischen Unsicherheiten hinauszusehen.

Welche Aktienregionen bevorzugen Sie?

Stephan: Aktuell lege ich einen Schwerpunkt auf US-Aktien. Der US-Aktienmarkt gilt unter anderem dank seiner Ausrichtung auf den Binnenmarkt als relativ schwankungsarm, außerdem könnte sich die Ertragslage der Unternehmen im weiteren Jahresverlauf stabilisieren. Die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins frühestens zum Jahresende anheben, was die Kurse zunächst stützen sollte. Und nach der Präsidentschaftswahl am 8. November sehe ich weiteres Potenzial für Kurssteigerungen.

Welche Anleihen sind attraktiv?

Stephan: US-Staatsanleihen und US-Unternehmensanleihen mit guter Bonität bieten aktuell höhere Zinsen als entsprechende Papiere aus Europa. Bei entsprechender Risikobereitschaft könnten außerdem Euro-Anleihen im Investment Grade mit etwas schwächerer Bonität, also an der Schwelle zum Hochzinsbereich, interessant sein. Auch Schwellenländeranleihen in Hartwährung – also Euro oder US-Dollar – sind eine Überlegung wert. Sie haben in diesem Jahr eine gute Wertentwicklung gezeigt und könnten bis auf Weiteres von der extrem lockeren Geldpolitik in den Industrieländern profitieren.

Bleiben Immobilien eine Alternative?

Stephan: Ja. Gerade für Anleger, die nur moderate Risiken eingehen wollen und auf laufende Erträge Wert legen, können breit gestreute Anlagen in globale Immobilien hoher Qualität weiterhin interessant sein.

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