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Themendienst-Archiv Vorsorge

20. Oktober 2016

Berufsunfähigkeitsvorsorge: Finanzieller Schutz im Notfall

Berufsunfähigkeit ist ein existenzielles Risiko, doch nur zwei von fünf Erwerbstätigen sind privat abgesichert. Experten der Deutschen Bank erklären, warum schon Berufsanfänger für den Ernstfall vorsorgen sollten – und wann eine Erwerbsunfähigkeitspolice eine sinnvolle Alternative sein kann.

Sie kündigt sich lange an oder kommt ganz plötzlich, doch die Folgen sind fast immer gravierend: Die Berufsunfähigkeit zählt zu den großen finanziellen Risiken für jeden Erwerbstätigen. Und sie kann jeden treffen, denn nicht einmal jeder zehnte Fall von Berufsunfähigkeit geht auf einen Unfall zurück. Dagegen sind in 31 Prozent der Fälle psychische und Nervenkrankheiten die Ursache, 22 Prozent gehen auf Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats zurück, so die Analysegesellschaft Morgen & Morgen. Berufsunfähigkeit ist damit nicht nur ein Problem von Risikoberufen wie Dachdeckern und Bergleuten – dass die Psyche oder der Rücken nicht mehr mitspielen, kann auch bei der Arbeit am Bildschirm passieren. Die Deutsche Aktuarvereinigung, die berufsständische Vertretung der Versicherungs- und Finanzmathematiker, beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass ein heute 20-jähriger Mann bis zum Rentenbeginn einmal berufsunfähig wird, auf 43 Prozent, bei einer gleichaltrigen Frau auf 38 Prozent.

Von 719 Euro im Monat leben?

Ohne private Absicherung ist dann guter Rat teuer. Denn staatliche Unterstützung in Form einer Berufsunfähigkeitsrente gibt es nur für Beschäftigte, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind. Alle anderen müssen mit der geringen Erwerbsminderungsrente vorlieb nehmen – und auch die erhält in vollem Umfang nur, wer aus Gesundheitsgründen weniger als drei Stunden am Tag arbeiten kann, egal in welchem Beruf. Die Folge: 2014 betrug die durchschnittlich ausgezahlte Erwerbsminderungsrente im Schnitt nur 719 Euro, so die Deutsche Rentenversicherung.

Der gewohnte Lebensstandard ist damit akut gefährdet, besonders, wenn der oder die Betroffene eine Familie ernähren muss. Aber auch eine Hausfrau oder ein Hausmann, die berufsunfähig werden, können das Familienbudget schwer belasten. Kein Wunder, dass Verbraucherschützer die Berufsunfähigkeitsvorsorge zu den allerwichtigsten Versicherungen zählen. 2015 besaßen rund 17 Mio. Beschäftigte in Deutschland eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitspolice – eine beachtliche Zahl. Doch sie bedeutet auch: 25 Mio. Menschen, rund drei Fünftel aller Erwerbstätigen, bleiben im Ernstfall ohne zusätzlichen finanziellen Schutz.

Antrag in jungen Jahren stellen

Wer sich privat für den Fall der Berufsunfähigkeit absichern will, sollte wissen: Je früher der Antrag gestellt wird, desto besser. Zwar nehmen die deutschen Versicherer laut Branchenverband GDV rund 94 Prozent aller Anträge auf Abschluss einer Berufs- oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung an. Doch mit steigendem Alter wächst die Gefahr, dass Vorerkrankungen die Police verteuern oder eine Absicherung ganz unmöglich machen. Berufsanfänger sind dagegen meist noch gesund und können mit günstigen Konditionen rechnen.

Dominic Blum, Vorsorge-Experte der Deutschen Bank: "Eine private Berufsunfähigkeits-Versicherung bietet im Ernstfall ein solides finanzielles Polster. Die Beiträge und damit die Höhe der Absicherung können individuell vereinbart werden. Anders als bei der staatlichen Erwerbsminderungsrente zahlen gute Policen den vollen Rentenbetrag schon, wenn der Versicherte sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig ist." Besonders wichtig: Gute Anbieter verzichten auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Das heißt, sie zahlen eine Rente, wenn der Betroffene in seinem zuletzt ausgeübten Beruf nicht mehr arbeiten kann – ob er eventuell in einen anderen Beruf wechseln könnte, spielt für den Versicherer keine Rolle.

Erwerbsunfähigkeitspolice als Basisschutz

Beschäftigte, die körperlich hart arbeiten müssen, tragen ein besonders hohes Risiko, durch Krankheit oder Unfall berufsunfähig zu werden. Hierzu zählen zum Beispiel handwerkliche Berufe wie Dachdecker oder Gerüstbauer, aber auch Köche und Kraftfahrer. Um diesen Berufsgruppen einen umfassenden Berufsunfähigkeitsschutz bieten zu können, müssen die Versicherer entsprechend hohe Beiträge verlangen – und die kann oder will sich nicht jeder Beschäftigte leisten. Für Risikoberufe kann deshalb eine private Erwerbsunfähigkeitspolice als günstige Basisabsicherung interessant sein. Diese Police zahlt, wie die Berufsunfähigkeitsversicherung, zum Beispiel bei Erkrankungen der Psyche oder des Bewegungsapparats. Die Beiträge sind oft deutlich niedriger, dafür muss die Erwerbsfähigkeit aber stärker eingeschränkt sein, bevor der Versicherungsschutz greift.

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Last Update: 1.11.2016
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